Klimaziele: Scheindiskussion um den Kohleausstieg ÖKOWORLD Blog im Nachgang zur Fachbeiratstagung am 19. und 20. November 2018 (Teil 1)

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Ende November 2018 kamen das Sustainability-Research-Team sowie weitere Vertreter*innen der ÖKOWORLD und die Fachbeiratsmitglieder zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen der Klimapolitik und im Spezielleren der Felder Verkehr, (Erneuerbare) Energie und Mikroplastik auszutauschen. Der Fachbeirat, bestehend aus Prof. Dr. Gerald Haug, Prof. Dr.-Ing. Harald Bradke und Dr.-Ing. David Montag, unterstützt ÖKOWORLD bei der Beobachtung und Bewertung von Veränderungen im Wasser- und Klimasektor für die Fonds ÖKOWORLD WATER FOR LIFE und ÖKOWORLD KLIMA.

Ein Blog in drei Teilen
Diese Tagung nehmen wir zum Anlass, in einer dreiteiligen Reihe über aktuelle klimarelevante Entwicklungen zu informieren und den Zusammenhang zu unseren Fonds darzustellen. Im Rahmen dieses Artikels macht das Thema Klimaziele den Anfang. Darauf folgen spezifischere Betrachtungen über Verkehr, Stromerzeugung und Mikroplastik.

Konflikte durch den Klimawandel
Vor dem Hintergrund der Zunahme von Stürmen und Dürren, des Anstiegs des Meeresspiegels und dem zunehmenden Verlust der Biodiversität, befeuert der Klimawandel die internationale Migration sowie damit auch Konflikte und hat vor allem im Globalen Süden schwerwiegende ökologische, soziale und wirtschaftliche Folgen. Da das von 194 UN-Mitgliedsstaaten vereinbarte Ziel der Begrenzung der globalen Erwärmung auf 2 °C Schäden an Mensch und Umwelt nur unzureichend verringern kann, wurde 2016 in Paris eine Absenkung auf 1,5 °C beschlossen.

1,5 °C noch realistisch?
Insbesondere vor dem Hintergrund des hohen Anteils der stark klimaschädlichen Kohle an der Stromproduktion in Deutschland (39% 2018) und weltweit (39% 2015), scheinen unter jetzigen Anstrengungen beide Ziele jedoch kaum erreichbar. Während die Fonds der ÖKOWORLD nicht in Kohle und andere fossile Brennstoffe investieren, werden auch in Deutschland nach wie vor neue Kohlekraftwerke geplant bzw. gebaut und neue Abbaugebiete, wie zum Beispiel im Tagebau Hambach, erschlossen.

Schluss mit der Kohle
Doch damit soll in den kommenden Jahren Schluss sein. In Berlin wird im Rahmen der Klimakommission momentan der Kohleausstieg diskutiert. In den Augen von Prof. Dr. Edenhofer – stellvertretender Direktor und Chefökonom am renommierten Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Gastredner bei der diesjährigen ÖKOWORLD-Klimabeiratstagung, ist jedoch selbst ein frühes Ende nicht ausreichend, um die Klimaziele zu erreichen. Vielmehr brauche es gleichzeitig eine höhere Bepreisung von Kohlenstoff, also einen wirkungsvollen marktbasierten Ansatz, um für die Verringerung der Treibhausgase anstatt einer reinen Verlagerung (Rebound-Effekt) hin zu anderen Sektoren oder Ländern zu sorgen.

Prof. Dr. Edenhofer – stellvertretender Direktor und Chefökonom am renommierten Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Copyright: Thomas Koehler/ photothek.net

Zielerreichung in weiter Ferne
Wissenschaftler*innen sind sich einig, dass der aktuelle Preis des europäischen Emissionshandelsregimes hierfür viel zu niedrig ist und fordern einen Mindestpreis auf CO2. Da dieser jedoch von der Politik abgelehnt wird, ist nicht mit ausreichenden Investitionen, unter anderem in Erneuerbare Energien und Technologien zur Steigerung der Energieeffizienz, zu rechnen. Folglich rückt die Einhaltung der Klimaziele für Deutschland, das seine Vorreiterrolle im Klimaschutz schon lange verspielt hat, in weite Ferne. Vor diesem Hintergrund wirkt der Kohleausstieg nur noch wie eine Scheindiskussion.

Aber was nun? Neben den von verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen getragenen „Kohle stoppen – Klimaschutz jetzt“-Demonstrationen am 01.12.2018 in Berlin und Köln, bietet auch ÖKOWORLD mit seinen Fonds ein Gegengewicht zu den aktuellen Entwicklungen. Seit ihrer Auflegung finanzieren die Fonds in Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen zur Verringerung von Treibhausgasen und zur Erhöhung der Energieeffizienz beitragen.

Teil der Lösung – nicht des Problems
Was sich im Hinblick auf ökologische Lösungen in den Bereichen Verkehr, Stromerzeugung und Mikroplastik getan hat und wie nachhaltige Investments in diesen aussehen, erfahren Sie in den nächsten Blogeinträgen.

Beitrag von Lars von Danwitz – Praktikant bei der Ökoworld AG im Bereich Sustainability Research.